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Opinion | A.I. Is Harder Than You Think - The New York Times
Assuming the demonstration is legitimate, that’s an impressive (if somewhat creepy) accomplishment. But Google Duplex is not the advance toward meaningful A.I. that many people seem to think.
AI  ethics  complexity  system-thinking  Google  google-Duplex 
yesterday by PieroRivizzigno
The Best Books to Understand Complex Systems – The Mission – Medium
Developing a basic understanding (and a sense of intuition) around how complex systems work may be the most important things I’ve learned in the last five years. Complex systems are any system with…
systems  systems-thinking  complexity 
6 days ago by lenards
Cybersin: Der Traum vom Tech-Staat – Republik
Designskizze des drehbaren Stuhls im Opsroom. Courtesy of the Stafford Beer Collection at Liverpool John Moores University Collections&Archives

Ästhetisch galt in diesem «Club-Haus» durch und durch: Form follows function. Die sieben drehbaren Sitze – in Zahl und Design das Muster einer «maximal kreativen Gruppe» (Beer) – sollten Raum für freigeistige Arbeit, vor allem aber eine umfassende Perspektive eröffnen. Wohin man sich auch wendete, informierten in die Wände eingelassene Bildschirme – in Echtzeit – über die Pegelstände der Produktion, die Zirkulation der Kommunikation oder Störungen in der Distribution. In diesem neuen fluiden Wissensregime verkörperte der langsame, intransparente Bürokrat eine Art Klassenfeind: Papier, schrieb Beer entschieden, sei von nun an «verbannt»: «The answer is Data-Feed.»

Die Datenströme sollten Ordnung ins Chaos bringen, die Verwaltung beschleunigen und die Regierung in ruhigere Fahrwasser überführen – das sanfte Schnurren der Systeme. Dabei folgte man progressiven Prinzipien: Jeder Arbeiter, keine speziell ausgebildete Elite, sollte die «Entscheidungsmaschine» (Beer) steuern können, über zehn farbige Knöpfe in der Armlehne eines jeden Stuhls. Transparenz und Überschaubarkeit waren so essenziell wie die Validität der Daten, und so unterstützte schon das Design – Apples Maxime «Let’s make it simple» nicht unähnlich – den jeweiligen Netzbetreiber dabei, Probleme faktenbasiert, schnell und fast intuitiv zu bewältigen: «Decision and Control» war nicht nur der Buchtitel eines beerschen Werkes, sondern Best Practice.

Die sagenhafte Wirkung der chilenischen Staatskybernetik entspinnt sich allerdings gerade an ihrer unvollendeten Geschichte. Ihr Funktionieren blieb Verheissung, ein Potenzial, das sich nicht entfalten konnte. Deshalb blieb Cybersyn stets mehr Neigung als Potenz, es war eine «Demokratie-Simulation» (Sebastian Vehlken), und die progressive Ästhetik verdeckte die eigentlich mangelhafte technische Ausstattung: Das Cybernet bestand nur aus einigen hundert Telex-Maschinen und einem einzigen Supercomputer, die Monitore im Opsroom waren allenfalls bessere Overhead-Projektoren, und Echtzeit bedeutete noch eine Verzögerung von 24 Stunden. Trotz allem bleibt festzuhalten: Seine technikemanzipatorischen Visionen sind bis heute unerreicht.

Die Ironie in und an der Geschichte über diesen «besonderen Traum eines kybernetischen Sozialismus» (Eden Medina) ist, dass Beers Grundrisse erst in einer überwachungskapitalistisch durchmöblierten Gegenwart, in der nun tatsächlich alles verschaltet und verdrahtet wird, neue, fragwürdige Blüten tragen. Zwar gedeihen auch heute postkapitalistische Spekulationen von der «Notwendigkeit» einer Post-Work-Society (Paul Mason oder Nick Srnicek) oder gar eines «fully automated luxury communism». Doch werden Big Data und Algorithmen auch auf weniger sozial-romantischen Pfaden zum kathartischen Lösungsmittel erklärt – vornehmlich für das «Problem» Politik.

Ein Hauptakteur war eine der eindrücklichsten Persönlichkeiten der Kybernetik-Geschichte – und zugleich ihr Enfant terrible: der britische Unternehmensberater Stafford Beer. Seine Schriften beflügelten nicht nur die wissenschaftliche Vorstellungskraft der 1950er- und 1960er-Jahre und inspirierten Musiker wie David Bowie und Brian Eno. Sie erfahren auch in diesen Tagen eine weitreichende Renaissance. So betonte zuletzt Geoff Mulgan, der Organisationsexperte des Thinktanks Nesta, die Aktualität des Mannes, seiner «grandiosen Theorie und brillanten Geistesblitze»: Beer inspiriere noch heute Regierungen, «die Verbindungen zwischen den Teilen des Systems neu zu verdrahten und dann den Sprung zu machen, Dinge auf eine neue Art zu tun».
s/w Bild von Beer der sich Notizen macht
Brillanter Theoretiker, der auch Gedichte über Kosten-Nutzen-Rechnungen verfasst: Stafford Beer, Mastermind hinter Cybersyn. Gui Bonsiepe

Stafford Beer selbst pendelte zwischen den Extremen: Er war ein unsteter Geist mit langem Bart, der einerseits sozialistische Neigungen hegte, in Öl malte, Yoga machte und denkwürdige Gedichte schrieb – unter anderem über Kosten-Nutzen-Rechnungen. Andererseits war er als Rolls-Royce- und Zigarren-Afficionado bekannt, der Tagessätze von 500 Pfund verlangte, was damals umgerechnet etwa 5000 Franken waren. Und der zu einem der international gefragtesten Industrieberater seiner Zeit aufstieg. Später sollte es nicht zu Unrecht heissen: «the man who could have run the world».

Die Popularität dieses schillernden Bonvivants war aber allenfalls nachrangig in seiner charismatischen Aura begründet, davor lag sie eher in seinem besonderen Interesse für Organisationsstrukturen und komplexe Systeme. Der computeraffine Ingenieur wandte gewinnbringend auf Unternehmen an, was er vom Mathematiker Norbert Wiener über die Kybernetik gelernt hatte, die Wissenschaft der Regelung und Nachrichten-Übertragung in Lebewesen und Maschine. In den 1950er-Jahren gründete er das weltgrösste Operations-Research-Institut, experimentierte mit technologiegestützten, feedbacklogischen Informationssystemen in Fabriken und avancierte später mit Schriften wie «Cybernetics and Management» oder «Brain of the Firm» zum Erfinder der Management-Kybernetik.
cybernetics  complexity  toread:bestof 
9 days ago by MicrowebOrg
https://snafucatchers.github.io/
A consortium workshop of high end techs reviewed postmortems to better understand how engineers cope with the complexity of anomalies (SNAFU and SNAFU catching episodes) and how to support them. These cases reveal common themes regarding factors that produce resilient performances. The themes that emerge also highlight opportunities to move forward.
complexity  incident  severity  distributedsystems  outage  pagerduty  postmortem 
10 days ago by vdaniyan

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